Michael Stuhlmiller

Die Kunst, ein Original zu sein

Michael Stuhlmiller (53) ist Gründer und Leiter der staatlich anerkannten Privatschule für Clowns, Komik und Comedy in Hofheim-Lorsbach

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAussichten eines Clowns: Ein Absolvent der Hofheimer Schule gehört inzwischen zum Ensemble des Schweizer Nationalcircus Knie. Ein anderer überzeugte im weltberühmten Cirque du Soleil und erhielt eine Solo-Nummer im Showprogramm. Unzählige weitere sind im gesamten Bundesgebiet im Einsatz, unter anderem als so genannte Klinikclowns. Ihre Schauspiel-Ausbildung haben sie alle bei Michael Stuhlmiller in der Schule für Clowns, Komik und Comedy gemacht. „Clowns sind Individualisten. Menschen, die ihren ganz eigenen Weg suchen, unabhängig vom Mainstream. Das birgt immer auch ein großes Risiko.“ Stuhlmiller sitzt am offenen Fenster in seinem kleinen Büro. Der Schwarzbach schlängelt sich direkt hinter dem Gebäude vorbei und verbreitet ein idyllisches Rauschen. In dem eher pragmatisch eingerichteten Raum erinnert vor allem ein barock anmutendes Sofa daran, dass direkt im Stockwerk oben drüber die Welt des Theaters zu Hause ist.

EINZIGARTIG IN DER GANZEN WELT

Seit rund zwei Jahren hat Michael Stuhlmiller seine Schule für Clowns im ehemaligen Gasthof Zum Löwen eingerichtet, einer Traditionsgaststätte im Main-Taunus-Kreis mit großem Saal und kleiner Bühne, in der lange Zeit Hochzeitspaare tanzten oder Vereinskinder turnten und das ein oder andere Schauspiel gastierte. Heute besuchen hier jährlich im Durchschnitt 16 Frauen und Männer ihren Vollzeit-Unterricht in drei verschiedenen Klassen mit rund 12 Dozenten. Nach zwei Jahren beenden sie ihre Profi-Ausbildung als Clown-Schauspieler, nach drei Jahren mit Diplom. Die Privatschule erhielt im Jahr 2000 die staatliche Anerkennung als Berufsfachschule und ist die einzige ihrer Art, nicht nur in Deutschland, sondern nach Aussage Stuhlmillers, „in der ganzen Welt“.

DAS ZIEL: MENSCHEN BEWEGEN

„Ich hatte nie das Ziel Clown zu werden. Das hat sich so entwickelt“, schildert der 53-jährige in nachdenklichem Ton. Begeistert habe er Kunst und Musik an der Universität in Kassel studiert. Seine damalige Performance-Gruppe „Heinrich Mucken“ wurde von den Machern der Kunstausstellung documenta 8 eingeladen, die Abschlusspräsentation zu übernehmen. Die Kasseler Schau war Ende der 80er-Jahre bereits zum kulturellen Massenphänomen avanciert. „Eine tolle Zeit. Ich war als junger Mensch politisch sehr aktiv. Ich wollte wissen, was die Menschen bewegt und selbst etwas bewegen.“ Er ging nach Italien, ursprünglich, um als Musik-Komponist am Theater zu arbeiten. „Plötzlich stand ich immer häufiger selbst auf der Bühne, entdeckte die Liebe zu Clownerie und ließ mich schließlich in Italien als Clown-Schauspieler ausbilden.“

ORIGINALITÄT IN SICH SELBST FINDEN

Eigentlich seien die Frauen für seine Entwicklung verantwortlich, meint er und lacht nun zum ersten Mal schelmisch. Immer habe eine Freundin ihn auf eine neue Idee gebracht, die er neugierig verfolgt habe. Aus der Berufspraxis als Clown erwuchs rasch der Wille, die Begeisterung für diese Kunst weiterzugeben. Stuhlmiller fing an, Workshops zu leiten. „Und da ich immer alles gerne perfektioniere, entstand mit der Zeit mein eigenes Schul-Konzept. Alles, was hier heute in dieser Schule gelehrt wird, habe ich selbst erarbeitet und entwickelt.“
Wer Clown werden möchte, müsse vor allen Dingen bereit sein, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, erklärt der Schuldirektor. Nur so habe er die Chance, ungewöhnliche Inspirationen zu gewinnen. Aus diesem Grund hat Stuhlmiller eine therapeutische Zusatzausbildung gemacht, dank der er die angehenden Clowns bei der Findung ihrer eigenen, originellen Figur erfolgreich unterstützen kann.

BRÜCHE STATT PERFEKTION

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Gegründet von Michael Stuhlmiller: http://www.clownpfleger.de

Stuhlmiller selbst ist Perfektionist. Aber als Clown liegt für ihn das Ideal gerade nicht in der Perfektion, sondern im Bruch. „In der Clownerie spielt das Scheitern heute eine viel größere Rolle. Die Menschen lachen nicht mehr allein aus Schadenfreude oder Häme, als Befreiung oder aus Erleichterung, wie insbesondere in den Zeiten nach dem 2. Weltkrieg. Sondern heute suchen sie beim Lachen auch einen Erkenntnisgewinn.“ Deshalb lernten die Clowns in der Stuhlmillerschen Schule, das menschliche Scheitern künstlerisch so umzusetzen, dass es ins Lachen münde.

LACHEN ALS STRATEGIE

„Wir erleben seit einiger Zeit einen großen Zulauf in Kursen und Angeboten, in denen das Lachen eine heilsame Wirkung hat“, berichtet der 53-jährige. Er ist als Dozent für Körpersprache und Kommunikation an verschiedenen Hochschulen und auch in der Businesswelt als Kommunikationstrainer tätig. Nicht nur in diesen Funktionen verbreitet er die Kraft des Lachens. Absolventen seiner Schule engagieren sich auch in dem von ihm gegründeten Verein Clownpfleger e.V., der mit Altenheimen und Behinderteneinrichtungen kooperiert und die Menschen dort, wie Stuhlmiller sagt, „im Herzen berührt“.

Das neue Ausbildungsprogramm der Schule für Clowns beginnt im August. Bewerbungen können noch bis 1. September 2014 eingereicht werden.
Es gibt regelmäßig öffentliche Vorstellungen im hauseigenen Komischen Theater, bestehend aus ehemaligen Schul-Absolventen, dazu freie Workshops, auch für Interessierte ohne Vorkenntnisse. Das aktuelle Programm ist zu finden unter www.clownschule.de.

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